Samstag, 17. November 2012

Die Zeit vergeht.


Ihr Lieben,

Ich bin nun schon 2,5 Monate hier in Australien und ehrlich gesagt, habe ich es noch immer nicht realisiert. Alles fühlt sich so richtig an und als wäre es von Beginn an so geplant gewesen. Momentan bereiten sich alle auf Weihnachten vor und mir fällt das erst auf, wenn ich einkaufen bin, weil alles geschmückt ist. Für mich ist es, als würde dieser Sommer nie enden. Noch immer scheint die Sonne, es wird immer heisser und ich gehe arbeiten. Ich habe kein Zeitgefühl mehr und die Zeit vergeht trotzdem so rasend schnell. Ich geniesse dieses Jahr so unglaublich, weil ich nicht mehr jeden Tag zur Schule gehen muss, weil ich jetzt selber entscheiden kann, was ich machen möchte. Keine Nerven raubenden Mathestunden, keine Klausurenzeiten und keine Noten für das, was ich tue. Es ist eine Art Befreiung und ich fühle mich einfach unglaublich frei in allem.

Oh, das war jetzt vielleicht ein bisschen zu viel für den Anfang oder? Ich musste es nur unbedingt einmal loswerden, weil es mir nicht mehr aus dem Kopf ging. 

Ich habe jetzt fast meine zweite Arbeitswoche hier auf der Farm hinter mir und es geht mir noch immer gut. Ich denke also, dass ich hier etwas länger bleiben werde als in Jimboomba. 
Heute ist Samstag und Jonas und ich sind zusammen mit Eric dafür zuständig die Fische am Wochenende zu füttern. Wir sind also um 8 Uhr von unserem Haus zu den Teichen gefahren, haben viele Eimer Futter geschleppt und tote Fische aus den Teichen geholt. Ich habe mit Teich 2 begonnen, während Jonas noch bei der 1 war und in einem der Raceways waren über 54 tote Fische. Es war deprimierend und ich musste alle mit dem Kescher rausholen… Scott (er arbeitet auch hier auf der Farm, wohnt aber in Chinchilla) sagt, dass es vom "ernten" kommt, weil wir die Fische dabei ja aus dem Wasser holen und aussortieren. Es war wahrscheinlich zu heiss und nun haben wir den Salat. Nun ja, wir können daran wohl nichts ändern und müssen weiterhin zusehen, wie die Fische verenden. Ich finde es traurig, obwohl es mich ja nicht wirklich betrifft. 
Wie dem auch sei, Ryan (der Sohn des Chefs, 13) hatte uns heute noch eingeladen mit zur "Jugendgruppe" zu kommen. Wir fuhren also gegen 2pm nach Chinchilla um dort eine riesige Matschrutsche herunter zu rutschen. Es war wirklich lustig, aber wir sahen furchtbar aus. Überall Matsch und Sand. Meine Haare waren richtig verklebt und sind steif geworden. Auf dem Heimweg kam dann ein enormes Gewitter auf und ich konnte teilweise nichts mehr sehen. Der Regen war einfach zu krass. Das Problem bei Regen ist hier, dass der Weg zu unserem Haus nur aus Sand besteht und man nur schlittert. Ich bekomme jedes Mal Panik, weil ich die Kontrolle nicht verlieren möchte. Aber wir leben noch!! Trotzdem war es nicht gerade eine tolle Erfahrung. Auch interessant zu beobachten ist, dass es jedes Wochenende regnet. Ich habe bisher kaum Regen in der Woche wahrgenommen, nur am Wochenende. Das nervt ganz schön, aber man gewöhnt sich sicherlich daran, wie an alles andere auch.

Ryan in der Mitte, Jonas zeigt seinen Rücken.

Matschrutsche.

Matsch ueberall.

Dreck.

Nein, das ist keine Bräune, sondern Matsch an meinem Arm.

Landung im Matschbecken.

Was gibt es sonst zu berichten. Mit Chris stehe ich noch immer in Kontakt. Habe heute kurz mit ihm und Ava telefoniert. Immerhin weiss sie noch, wer ich bin. :)

Ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich hier Kakadus sehe. Sie sind überall und ich finde sie wunderschön. Ich finde es toll, sie beobachten zu können. Australier sind daran gewohnt, aber für mich ist es faszinierend. Genauso Kängurus. Sie liegen hier überall am Strassenrand und alle sind nur genervt von ihnen. Oft sieht man sie auch hier bei uns auf der Farm und ich freue mich jedes Mal. Wir haben hier auch diese Riesenechsen und auch diese erheitern mich. Es ist eben alles so anders und genau das fasziniert mich. 

Weihnachten fahren wir übrigens zusammen mit Eric nach Surfers Paradise. Dort bleiben wir fünf Tage und dann fahren wir für Silvester nach Noosa (Sunshine Coast). Ich freue mich darauf. Es wird auf jeden Fall anders und ich weiss nicht genau, wie ich mich dann fühlen werde. In manchen Momenten, wenn es hier wieder furchtbar heiss ist, dann wünsche ich mir die Kälte Deutschlands. Vielleicht nur für einen Tag, aber es ist komisch, dass es hier nie so kalt wird. Ich werde aber auf jeden Fall Weihnachten und Silvester an euch alle denken. Es wird solo komisch, da bin ich mir sicher.

Ansonsten werde ich hier wohl auch zur Fussballspielerin. Die Familie spielt in einem Team und jeden Montag fahren wir dann nach Chinchilla um gegen ein anderes anzutreten. Am Montag habe ich das erste Mal mitgespielt und ich habe absolut keine Ahnung von diesem Spiel. Es war ein bisschen deprimierend immer ahnungslos rumzulaufen, aber immerhin haben wir mir ein Tor zu verdanken. Ich stand zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der Ball prallte an meinem Bein ab und landete im Tor. Hehe. Am nächsten Tag konnte ich dann aber die Folgen spüren. Ich hatte so einen heftigen Muskelkater, dass ich weder gehen noch mich setzen konnte. Ich muss also fitter werden! Definitiv.

Warten vor dem Spiel.

Ich schreibe schon wieder viel zu viel. Also, das war's für heute.

Ich denke an euch,
eure Tini.

PS: Ich bekomme immer mehr Namen hier. Pat zum Beispiel nennt mich meistens "Kristy". Nun ja, ich gewöhne mich an alles.

Donnerstag, 8. November 2012

Welcome to Chinchilla.

Hallo meine Lieben,

hier nun mein erster Post ueber meine neue Arbeit auf der Farm.
Ich bin jetzt fast eine Woche hier in Chinchilla (bzw. eine halbe Stunde davon entfernt) und zu Beginn war ich einfach nur geschockt. Ich betrat das Zimmer und wollte eigentlich wieder abreisen. Überall Spinnenweben, Dreck und solch Kram. Ich habe mich so unwohl gefühlt. Als ich das Bett sah, war alles vorbei. Die Matratze war komplett durchgebogen und ich habe deswegen immer bei Jonas geschlafen.
Wir wurden dann einen Tag nach meiner Ankunft von Rob und Tamara (die Chefs) zum Abendessen eingeladen und wir haben uns viel unterhalten und sie haben uns viel gezeigt. Es war ein sehr netter Abend. Wir haben auch angesprochen, dass meine Matratze schlecht ist und ob ich vielleicht eine andere bekommen koennte, da ich eh immer schon Rückenschmerzen habe. Und siehe da, ich bekam eine nagelneue. So gut!

Ja, nun aber mal zur Arbeit hier. Jeder Tag beginnt für uns um 7.30 Uhr. Wir fahren dann zu den Teichen und füttern die Fische. Das heisst wir schleppen eimerweise Fischfutter zu den Fuetterern, zaehlen die toten Fische, schreiben alles auf und machen sauber. Einige der sogenannten raceways muessen wir per Hand fuettern und das kann auch schon mal eine viertel Stunde dauern (pro Eimer). Ach ja, und nicht zu vergessen der Sauerstoffgehalt. Der muss auch täglich 2x gemessen werden. Wir haben wir zwei grosse Teiche und einen kleinen für die kleinsten Fische. Man braucht ungefähr eine Stunde dafür, wenn alle helfen.
Danach arbeitet jeder an der Wochenaufgabe. Jonas und ich bauen gerade irgendwelche aeration-Teile. Die sind fuer die Luftzufuhr im Teich. Zwischendurch fallen aber immer wieder andere Sachen an. Wir konnten noch nicht durchgängig daran arbeiten, weil wir anderen halfen oder andere Aufgaben bekamen. Das klingt alles so verwirrend oder? 
Auf jeden Fall haben wir um 10 Uhr dann eine halbe Stunde Frühstückspause und danach geht jeder wieder seiner Arbeit nach. Mittag ist dann gegen 1pm. Diese Stunde wird uns geschenkt und nicht als Pause gewertet. Um 4pm wird dann wieder gefuettert und dann ist der Tag für uns auch schon um. Diese Woche hatten wir meistens gegen 5.30pm Schluss. 
Heute war zum Beispiel harvest day. Das heisst wir holen die Fische aus den Teichen, sortieren sie aus und packen sie in einen grossen Tank damit wir sie einen Tag spaeter verpacken koennen. 

Ich bin wirklich fertig. Dieser Umschwung von wenig zu viel Bewegung macht sich wirklich bemerkbar. Mir tut alles weh und ich merke jeden einzelnen Knochen. Aber ich denke, das haelt mich fit, also werde ich nicht so viel jammern.

Ich habe bestimmt so viel vergessen, was die Arbeit hier angeht... Ich bin sogar schon LKW und einen riesigen Radlader gefahren. Ach ja, und unsere alten Autos hier. Das ist wirklich lustig, weil fast nichts daran funktionert. Sie sind wirklich assbach uralt und total kaputt, aber es macht Spass damit zu fahren. 

Ansonsten sammeln wir oft Geckos ein, wenn wir abends welche finden. Pat, der Ire, gibt ihnen dann Namen und hofft, dass sie die Spinnen hier fressen. Bisher sehe ich aber noch keinen Unterschied. Bis jetzt haben wir Guy, Richie und Fluffy in unserem Wohncontainer. Ach ja, die Mitbewohner. Pat und Marie kommen beide aus Irland. Sie ist Krankenschwester und wir alle fragen sie um Rat, wenn wir uns schneiden oder verletzten. Das ist praktisch. Pat ist super durchgeknallt, aber lustig. Dann ist da noch Eric, er kommt aus Kanada und ist 20 Jahre alt. Er ist auch lustig und wir verstehen uns alle gut. Spielen abends oft zusammen Karten oder so.

Mehr faellt mir dazu auch erstmal gar nicht ein. Ich wette, es gibt noch viel mehr, was man erzaehlen kann, aber momentan ist nichts weiter in meinem Kopf.

Also, ich hoffe, ihr koennt euch ungefähr vorstellen, was wir hier so machen. 

Alles Liebe,
eure Tini.

Donnerstag, 1. November 2012

See you!

Hey meine Lieben,

fuer mich heisst es Abschied nehmen, denn ich fahre morgen nach Chinchilla, wo ich nun arbeiten werde.

Was habe ich also in den letzten zwei Wochen erlebt. Ehrlich gesagt kann ich mich kaum erinnern. Die Zeit vergeht hier wie im Flug.

Letzte Woche war ich komplett allein mit den Kids. Es war wirklich nicht einfach. Am Anfang dachte ich einfach nur, dass es so schwer nicht sein kann, aber wenn man den ganzen Tag niemanden zum reden hat, dann wird es schwer. Ich war so froh, dass diese Woche um war, denn ich wusste, dass Chris bald wieder da ist und auch Kathie hatte diese Woche Urlaub. Geplant war nach Byron Bay zu fahren, um ein paar Tage rauszukommen. Ich habe mich sehr darueber gefreut, denn ich habe nur gutes ueber den Ort gehoert und wollte unbedingt mal dorthin. Die Stadt ist wirklich toll, aber es war trotzdem kein schöner Aufenthalt...
Alles begann damit, dass Chris und ich am Dienstag Surfunterricht hatten. Es war wirklich toll und hat unglaublich Spass gemacht. Und ich habe mich besser angestellt als erwartet. Ich konnte ein paar Male aufstehen und ein bisschen surfen. Chris hat sich nicht ganz so gut angestellt, aber Uebung macht ja bekanntlich den Meister. Er wollte dann eigentlich noch Helikopter mit mir fliegen, aber Kathie wollte, dass ich bei ihr mitfahre und somit wurde daraus nichts. Die beiden sind momentan nur am streiten und projezieren vieles auf mich. Wir sind dann also nach Byron Bay gefahren und Chris wollte spaeter kommen, weil er noch etwas erledigen wollte, aber letztendlich kam er nicht, weil die beiden per Telefon stritten. Ich stand die ganze Zeit irgendwie dazwischen und es war einfach eine unangenehme Spannung im Apartment. Kathie war die ganze Zeit super pissig. Ja, ich kann verstehen, dass man nicht gluecklich ist, wenn man sich fast trennt, aber ich habe damit nichts zu tun.
Ich bin also fast ausschliesslich am Strand gewesen, habe mich gesonnt und das Wetter genossen. Gestern Abend erschien er dann doch ploetzlich und wir sind Essen gegangen. Aber selbst da war es nicht angenehm. Die beiden stritten ueber alles und ich bin irgendwann einfach gegangen, weil es mir zu viel wurde. Ja, das waren also meine zwei Tage in Byron Bay...

Ich bin momentan mehr als glücklich nach Chinchilla zu gehen. Es nervt mich einfach, dass ich da mit reingezogen werde. Als ich die Woche allein zu Hause war, hat Chris öfter angerufen und ich war froh darüber, denn ich konnte endlich mal mit jemandem reden. Aber Kathie sprach mich eines Abends an und sagte mir, dass sie nicht will, dass Chris und ich Kontakt haben. Oh man, ich stehe also zwischen zwei Fronten. Ehrlich gesagt, kann ich nicht mit beiden gleichzeitig umgehen. Wenn ich mit Kathie allein bin, dann koennen wir immer reden und zusammen lachen. Wenn ich mit Chris alleine bin, ist es genauso. Aber wenn beide hier sind, dann geht es gar nicht. Sie macht mich fuer ihre Probleme verantwortlich, obwohl ich nichts dafuer kann. Ja, ich freue mich auf Chinchilla!

Ja, das soll es erst einmal gewesen sein. Ich muss nun weiter packen und ich weiss nicht, wie ich alles in meinen Rucksack bekommen soll. :)

Macht's gut!

Eure Tini <3